Katharina Thalbach liest „Die Analphabetin …“ von Jonas Jonasson

Hier kommt der neue große, weltumspannende Roman von Jonas Jonasson, dem Autor des „Hundertjährigen“: „Die Analphabetin, die rechnen konnte“. Lustig, liebenswert und ideal besetzt! Jonasson erzählt darin von Nombeko, deren schier unglaubliches Schicksal sie vom südafrikanischen Slum in die internationale Politik führt, auf die andere Seite des Erdballs …

Unser Hörbuch wird höchst charmant gelesen von Katharina Thalbach, die 2014 den Deutschen Hörbuchpreis für ihr Lebenswerk erhält. Wir haben sie bei den Aufnahmen im Berliner Studio getroffen und interviewt …

Was ist Ihnen persönlich lieber: Buchstaben oder Zahlen?
Mit Sicherheit Buchstaben! Das ist mein Handwerkszeug und ohne das geschriebene Wort wäre ich sowohl als Schauspielerin als auch als Regisseurin arbeitslos. Ich liebe die Buchstaben, ich liebe das Lesen, ich find‘ das eine grandiose Erfindung. Muss allerdings dazusagen, dass ich Mathematik immer sehr gerne hatte. Ich war auch relativ gut in Mathematik und Physik und wenn ich mehr Talent gehabt hätte, dann hätt‘ ich das sicher gerne gemacht. Ich bewundere alle Physiker und Astrophysiker und Mathematiker … und Komponisten, ich meine, Bach wär‘ ohne Mathematik aufgeschmissen gewesen! Ich hab also eine ganz, ganz große Hochachtung für die Naturwissenschaften und somit auch für Zahlen.

Da fühlen Sie sich beim Jonasson bestimmt gut aufgehoben …
Ja, ich find’s herrlich, dass er da eine Hauptheldin erfindet, die offensichtlich das große Glück hat, so ein Talent mit in die Wiege gelegt bekommen zu haben, dass für sie Zahlen überhaupt kein Buch mit sieben Siegeln sind, sondern eher etwas total Erotisches, etwas ganz Logisches, die sich von ganz alleine zusammenfügen und dadurch auch die Zusammenhänge der Welt. Ich finde die Idee von Jonasson hervorragend, und ich hatte auch einen riesen Spaß, das Ding zu lesen.

Stellen dabei die Fülle der Figuren, die komplexen Zusammenhänge und die unentwegten Abschweifungen nicht eine besondere Herausforderung dar?
Auf der einen Seite so herrliche Absurditäten von Schicksalen und von Figuren, die aber, wenn man das Leben kennt, auch wieder sehr lebensnah sind, denn das wirkliche Leben ist ja oft sehr absurd … Auf der anderen Seite aber auch den Mut zu haben, die große Weltpolitik inklusive der dazu agierenden Personen einfach so vorkommen zu lassen und denen eine private Sprache zu geben – das finde ich höchst amüsant.

Sie sind in Ost-Berlin geboren, Nombeko aus Jonassons Roman ungefähr zur gleichen Zeit in Soweto, Südafrika. Die Zeit, in der Nombekos ausschweifende Lebensgeschichte spielt, ist also absolut auch Ihre Zeit.
Ja, das ist absolut meine Zeit. Ich glaub‘, Nombeko ist 1961 geboren – da war ich schon in der Schule. Also sind mir ganz viele Sachen, die da vorkamen, sowohl an politischen Ereignissen wie auch an Figuren, absolut vertraut aus meiner Kinderzeit. Es war für mich auch ‘ne kleine Zeitreise. Aber ‘ne sehr amüsante!

Das Jahr 1976 ist sowohl für Sie als auch für Nombeko von großer Bedeutung …Jaja, Nombeko und ich haben ein ähnliches Schicksalsjahr. Sie wird von einem stets volltrunkenen Möchtegern-Wissenschaftler überfahren und dadurch ändert sich ihr Leben. Und ich habe ein Land gewechselt, bin von Deutschland nach Deutschland übergesiedelt, also von Ostdeutschland nach Westdeutschland. Jaja, zwei Schicksalsschläge!

Was halten Sie von Nombekos unzerstörbaren Optimismus? Ist das eine gesunde Einstellung zum Leben?
Ich glaube, man muss einen Optimismus haben, um zu leben, ich glaube, sonst würde die Menschheit nicht mehr existieren. Die ist zu so viel Schrecklichkeiten fähig. Man darf ja gar nicht drüber nachdenken, was in dem Augenblick, wo wir hier reden, wieder passiert! Man hat langsam das Gefühl, es passieren mehr Schrecklichkeiten als gute Sachen. Also halte ich einen guten Optimismus schon einfach zum Überleben für ganz nützlich.

Liegt darin vielleicht auch der Erfolg von Jonasson: dass eben so viel Schreckliches passiert, was er aber in Komik verpackt?
Wie er sagt: Wenn es einen Gott gibt, dann muss er Humor haben. Ich finde auch, die guten Götter sollten Humor haben. Das ist was Feines. Da halte ich es wie Umberto Eco, der ja auch behauptet hat, es gibt eine Katharsis durch Lachen und nicht nur durch Leiden. Ich finde die Katharsis durch Lachen fast noch schöner. – Ich lach‘ einfach gern! Oder ich lächle gerne … es fällt einem leichter zu leben.

Bei den Aufnahmen in Berlin

Bei den Aufnahmen in Berlin

Beim Hörbuch-Einsprechen im Studio – kommt man da auch ins Lachen, gönnt man sich das oder darf man das nicht?
Man darf alles! Man muss ja auch zwischendurch mal raus, Pause machen und was essen oder mal auf die Toilette – das darf man natürlich. Es passiert einem auch, dass man lacht. Manchmal merkt man‘s, wenn man kurz das Auge zur Regie streifen lässt, ob die gelangweilt dasitzen oder ob man das Gefühl hat, die gucken mit einem Lächeln zu. Dann verliest man sich und sie drücken lachend auf den Knopf. Aber man ist auch irgendwann in der Geschichte drin und freut sich innerlich.

Haben Sie sich besonders auf die Lesung vorbereitet?
Ich habe das mit großem Vergnügen einmal gelesen und es hat mich gefesselt. Da ich den Hundertjährigen nicht kannte, also immer nur darüber geredet wurde, ist es auch mein erstes Buch gewesen, was ich von Jonasson gelesen habe, und das hat mir richtig großen, großen Spaß gemacht. Und ich hab‘ mich richtig gefreut, dass ich das lesen darf! Insofern: Die Vorbereitung war das Vergnügen. Und das Machen war dann auch noch das Vergnügen. Und das ist doch schön, wenn man das über Arbeit sagen darf.

Was ist für Sie das Besondere am Hörbuch-Sprechen?
Ich bin selber im Auto eine begeisterte Hörbuch-Hörerin bei langen Strecken. Und alleine deswegen finde ich das großartig. Aber man ist schon sehr allein! Man ist man selber und die Geschichte. Ich hab‘ ja viele Hörbücher eingelesen und danach auch noch Lesungen gemacht … Das ist natürlich noch toller, wenn man dann vorm Publikum liest!

Interview/Fotos: Teresa Grenzmann/der Hörverlag

Hier geht’s zum Hörbuch-Special auf www.hoerverlag.de

Den „Hundertjährigen“ haben wir – neben der Lesung mit Otto Sander – auch als Hörspiel im Verlag:
Hier geht’s zum Blog-Beitrag mit Making-Of.

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