Blog-Tagebuch: Melanie Raabe hört ihren Debütroman

Am 9. März erscheint Melanie Raabes gnadenlos gutes Thriller-Debüt Die Falle als Hörbuch im Hörverlag. Es lesen Birgit Minichmayr und Devid Striesow. Für unser Blog beschreibt die 1981 geborene Autorin den spannenden Weg vom Manuskript zum Hörbuch – aus ihrer Sicht.
Wer mehr über das fertige Hörbuch wissen möchte: hier, Bitteschön.

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Zwei Schauspielstars lesen meinen Debütroman

Ich habe ein Geständnis zu machen. Mein Name ist Melanie Raabe, und ich bin ein Hörbuch- und Hörspiel-Nerd. Durch und durch.

Was ist es nur, das es so unwiderstehlich macht, einen Text vorgelesen zu bekommen? Hat das mit unserer Kindheit zu tun? Wollen wir wieder fünf Jahre alt sein und eingekuschelt im Bettchen liegen, während uns Mama, Papa, Oma oder Opa eine Gutenachtgeschichte vorlesen? Ich weiß es nicht. Ich weiß nur, dass ich schon immer verrückt war danach. Es fing an mit Dornröschen und Co aus Omas Märchenbuch. Es ging weiter mit vom vielen Hören ausgeleierten Kassetten von Bibi Blocksberg über ALF bis hin zu den Drei Fragezeichen. (Ja! Ich bin ein Kind der 80er! Damals haben wir noch Kassetten gehört!) Und es wurde schließlich zu einem ausgeprägten Faible für virtuos gesprochene Hörbücher und spannende Hörspiele.

Kein Wunder also, dass ich erst einmal einen kleinen Freudentanz aufführe, als ich erfahre, dass der wunderbare Hörverlag aus meinem Roman, Die Falle, ein Hörbuch machen will. Ich habe mich gerade ein wenig beruhigt, da gehen auch schon die Gespräche darüber los, welche Sprecher ideal sein könnten für mein Buch. Und es wird schnell klar: Meine Geschichte um die Autorin Linda Conrads, die den Mörder ihrer Schwester in eine Falle lockt – und die parallel einen Krimi schreibt, in dem sie den Mord an ihrer Schwester verarbeitet – braucht zwei Stimmen. Eine für die Rahmenhandlung, in der wir Linda, der Autorin, folgen. Und eine für das Buch im Buch, also für den Krimi, den Linda schreibt. Ebenso schnell ist klar: Birgit Minichmayr und Devid Striesow wären absolut perfekt für den Job. Als die beiden dann tatsächlich zusagen, kann ich es erst einmal kaum glauben. Mein eigenes Hörbuch! Mit funkelnder Starbesetzung! Ich bin vollkommen aus dem Häuschen. Mir, als noch recht unerfahrener Debütantin, kommt der Gedanke, dass zwei so grandiose Schauspieler wie Minichmayr und Striesow bald in einer Sprecherkabine stehen werden, um meinen Text einzulesen, bisweilen so surreal vor wie ein Bild von Dalí.

Dann passiert erst einmal: gar nichts. Oder nein, eigentlich passiert ganz viel, denn nun findet die tatsächliche Arbeit am Hörbuch statt. Davon bekomme ich allerdings wenig mit, denn während die Sprecher meinen ersten Thriller einlesen, sitze ich daheim in Köln, arbeite an meinem zweiten – und versuche, nicht zu oft an diese Hörbuchsache zu denken, um nicht vor Aufregung zu zerbersten wie eine auf den Asphalt geklatschte Wassermelone. Und dann, eines Tages, gehe ich vollkommen unbedarft zu meinem Postkasten, um die üblichen Rechnungen und Werbeblättchen vom Pizzaservice um die Ecke herauszufischen – und mich trifft fast der Schlag. Da ist es: ein Päckchen vom Hörverlag. Und darin: eine CD mit meinem Hörbuch. Es ist soweit, endlich. Ich lege die CD ein. Mit zitternden Fingern. Aufgeregt und nun doch auch ein bisschen ängstlich. Immerhin kenne ich als Autorin meinen Text in- und auswendig, er ist mein Baby, das ich gehegt und gepflegt, gefüttert, gestreichelt und gebadet, beschützt und geliebt habe. Und nun habe ich es zwei Fremden in die Hände gegeben. Zugegebenermaßen sehr kompetenten Fremden – aber dennoch.

Und dann kommen die ersten Sätze aus den Boxen und ich vergesse das alles und bin einfach nur noch gefesselt. Man arbeitet so lange an einem Buch, man schreibt, verwirft, schreibt neu, feilt, ändert, kürzt, verbessert, schleift und poliert – da ist man gegen Ende fast ein wenig betriebsblind. Das Hörbuch jedoch macht, dass ich noch einmal einen ganz frischen Blick auf meinen eigenen Text gewinne. Wie virtuos sich Birgit Minichmayr in meine Hauptfigur hineinversetzt, wie brillant und unglaublich spannend Devid Striesow seine Kapitel gestaltet – wow. Irgendwann ist dann der letzte Satz verklungen. Und dann ist es definitiv wieder an der Zeit für ein Freudentänzchen. Diesmal mit Breakdance-Einlage, Hebefiguren und allem drum und dran. Das Hörbuch ist einfach großartig geworden. Das darf ich sagen, das ist kein übelriechendes Eigenlob. Sondern ein Lob an die Sprecher, an die Regie und den Verlag. Ich kann es kaum erwarten, dass noch mehr Leute Die Falle zu hören kriegen.

Allerdings, wie das meistens so ist, einen Wermutstropfen gibt es dann doch: Ich gehe bald auf Lesereise, freue mich seit Ewigkeiten darauf. Ich lese nämlich auch selber gerne und viel vor. Aber nun trete ich zu meinen Lesungen mit dem Wissen an, dass es zwei Menschen gibt, die meinen Text definitiv besser lesen als ich.

Ich werde irgendwie lernen müssen, damit zu leben.

Melanie Raabe

Fotos: © Christian Faustus

Zum Interview mit Melanie Raabe
 

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