Der Ohrwurm zum Lindwurm: Andreas Fröhlich liest Walter Moers

Auf nach Zamonien! Einmal mehr beweist Andreas Fröhlich, dass er die kongeniale Stimme des „kongenialen Übersetzers“ Walter Moers ist. „Ein guter Text ist wie ein gutes Pferd“, sagt Andreas Fröhlich – und reitet vergnügt durch „Das Labyrinth der Träumenden Bücher“. Seit seiner Rolle als Bob Andrews in „Die drei ???“ ist er einer der bekanntesten Synchron- und Hörbuch-Sprecher.

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Herr Fröhlich, wie wird man 12 Tage lang Morgen für Morgen zum zamonischen Lindwurm Hildegunst von Mythenmetz?
Die Zähne dürfen nicht geputzt werden und man muss mit Rotwein gurgeln. [Er lacht.] Nee, da mach‘ ich gar nichts. Es treffen natürlich die ganzen obskuren und absurden Figuren aus dem Moersschen Kosmos aufeinander. Deswegen mussten einige sehr skurrile und extreme Stimmen haben. Das wird sehr spannend, aber es ist auch verdammt anstrengend.

Wie viele Stimmen sind es?
20 ungefähr. Aber ich mach‘ das nur mit unterschiedlichen Stimmlagen: Die Körperhaltung verändert sich ein wenig, um die Figuren zu unterscheiden. Das ist die ganze Kunst. Je älter eine Stimme ist, desto mehr sacke ich vor dem Mikrofon zusammen und richte mich dann ein wenig auf, wenn es eine etwas hellere, eine Haifischmade ist zum Beispiel. Die Stimmen fallen mir am Abend vorher beim ersten Lesen ein. Ich mache mir Notizen und dann probe ich im Kopf.

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Haben Sie eine Lieblingsstimme?
Hildegunst von Mythenmetz finde ich großartig! Ich würde mit ihm sogar Urlaub machen.

Hildegunst schreibt, das „Labyrinth“ sei das „allergrößte Abenteuer“ seines Lebens. Sie kennen ihn besser: Was meinen Sie?
Ich hab‘ mit Hildegunst gesprochen: Ich darf nicht so wahnsinnig viel verraten …
Es gibt Haifischmaden und Mooslinge und Lindwürmer und Schrecksen und irgendwelche Gnömchen, Buchlinge, … Tausende Figuren, die aufeinanderprallen. Das Ganze ist noch mal eine Steigerung zum ersten Teil – und ich habe den Eindruck, es wird auch noch nicht zu Ende sein.

Wie schafft es Walter Moers, Jung wie Alt gleichermaßen zu fesseln?
Ich bin ein großer Fan von Walter Moers. Ich glaube, er ist völlig verrückt – und das ist das Interessante. Man fängt an zu lesen und weiß, es wird einen unglaublich viel erwarten, aber man hat keine Ahnung, was. Keiner kann das so wie Walter Moers!

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Empfinden Sie diesen Sog auch manchmal im Studio?
Ich bin ein sehr leidenschaftlicher Leser. Ich sag‘ immer: Ich muss den Text reiten – und ein richtig guter Text lässt sich auch sehr gut reiten wie ein gutes Pferd. Es gelingt mir natürlich nicht immer, im Sattel zu bleiben, aber wenn ich wirklich drin bin, merke ich gar nicht, dass ich lese. Da bin ich wie ein Medium, was die Buchstaben inhaliert und wieder ausspuckt – eine Sprachmade sozusagen.

Hören Sie auch im Alltag genauer hin?
Ich bin ein Mensch des Ohres. Für mich spielt Stimme eine ganz große Rolle. Wenn jemand anfängt, auf mich einzureden, interessiert mich erst mal der Klang der Stimme, was steckt dahinter. Ich gucke auf den Mund und nicht in die Augen – wahrscheinlich bin ich da als Kind als Synchronsprecher ein bisschen versaut worden.

Klingt, als könne Ihr Beruf nie zur Routine werden …
Nee! Es ist ja auch wirklich toll, eine richtige Auseinandersetzung mit dem Buch: Dieses Laut-Lesen und Darstellen, da entdeckt man natürlich alle möglichen Feinheiten, die in dem Text schlummern. Man macht das Ganze dreidimensional: 3D-Lesung [er lacht] – auch nicht schlecht.

Interview u. Fotos: © der Hörverlag/Teresa Grenzmann

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